Augmented Reality und Mobile Marketing

10 Möglichkeiten, wie Augmented Reality das Mobile Marketing ankurbeln kann

AR wird zukünftig ein fester Bestandteil vom Online Marketing sein. Bei uns erfährst du, wie AR im Mobile Marketing eingesetzt werden kann.

Autor: Egzon Cekaj
Datum: 01.12.2020
Lesezeit: ca. 6 Minuten

Was bedeutet Augmented Reality?

Virtual Reality (VR) ist eine Technologie, die einer bestimmten Gruppe von Nutzern bestens vertraut ist. Gemeint sind hier die Gamer. In deren Gaming-Umgebung macht es diesen nichts aus, eine VR-Brille zu tragen, die sie komplett von der Aussenwelt abschottet. Der Gamer taucht bei einer VR-Gaming-Session zu 100 % in eine virtuelle Umgebung ein. Die reale Welt um sich herum nimmt er nicht mehr wahr, während er spielt. Anders als VR stellt Augmented Reality (AR) dagegen „lediglich“ eine computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung dar. AR ist deutlich näher an der realen Welt als VR und lässt sich im Mobile Marketing vielfältig nutzen.

Wenn auf einer Skala die reale Welt das eine Ende und die virtuelle das andere Ende abbildet, dann läge AR maximal 25% von der realen Welt entfernt. Damit wären wir bei der Theorie, die besagt, dass wir in einem Realitäts-Virtualitäts-Kontinuum leben mit unterschiedlichen Graden der Realitätswahrnehmung. Mithilfe der Digitaltechnik lässt sich die Wahrnehmung der realen Welt schrittweise digital erweitern. Das funktioniert sogar ganz ohne spezielle Geräte wie AR-Brillen à la Google Glass & Co.

Revolutionierung der digitalen Shoppingwelt

Augmented Reality und Mobile Marketing

Digitale Geräte haben den Alltag der meisten Menschen revolutioniert. Egal, ob sie kommunizieren, shoppen oder bezahlen – das Digitalgerät ist inzwischen zum unentbehrlichen Helfer geworden. Geräte wie Smartphones steuern zunehmend die Wahrnehmung der Welt. Nutzer informieren sich vor Ort und finden über ihr Digitalgerät heraus, wer oder was sich gerade in ihrer näheren Umgebung befindet. Algorithmen analysieren das Nutzerverhalten und sorgen dafür, dass die Nutzer sie möglicherweise interessierende Informationen zur passenden Zeit und am richtigen Ort erreichen. Das digitale Marketing deckt all diese Bedürfnisse ab.

Wozu braucht man also Augmented Reality? Ganz einfach. Wenn ein Kunde in der realen Welt einkaufen geht, hat er Tuchfühlung mit seinem Wunschartikel und kann ihn mit seinen Sinnen erfassen. In einer zweidimensionalen digitalen Welt ist das leider nicht möglich. Nirgendwo wird das so deutlich wie bei Bekleidung. Im Laden kann der Kunde ein Kleidungsstück anprobieren. Im Onlineshop muss er sich auf die Passgenauigkeit standardisierter Grössen und Abbildungen in 2D verlassen. Davon abgesehen, wie wirkt das Kleidungsstück oder ein anderes Accessoire überhaupt in der Realität? Immer mehr Hersteller und Anbieter haben das Thema AR als Treiber für ihre Mobile Marketing Kampagnen entdeckt. Im Folgenden eine kleine Auswahl von Ideen:

Auf Shoppingtour mit einer AR-App

Wie zuvor erwähnt, bedarf es für die Umsetzung von AR keiner speziellen Geräte. Das digitale Mobilgerät, Smartphone, reicht völlig aus, um AR erlebbar zu machen. Alles, was der Nutzer letztendlich benötigt, ist eine passende, jeweils auf den Nutzungszweck zugeschnittene App. Ein Beispiel, wie so etwas funktioniert, liefert IKEA. Hier können Nutzer Möbelstücke per AR-App in den vorgesehenen Räumlichkeiten platzieren und beliebig kombinieren. So können sich die Nutzer einen Eindruck verschaffen, wie die Räumlichkeit nach der Möblierung aussieht. Ganz ähnlich verfährt der Versandhändler OTTO mit seiner AR-App „yourhome“. Damit lassen sich ebenfalls Möbelstücke und Wohnaccessoires mit digitalen Mitteln in die häusliche Umgebung integrieren. Die App unterstützt den Kunden bei der Prüfung von Proportionen und beim Ausprobieren verschiedener Stellmöglichkeiten. Die App hilft dem Kunden bei der Entscheidungsfindung und fördert dadurch die Kauflust. Eine ähnliche Applikations gibt es mit der „AR View Home App“ inzwischen auch von Amazon.

Wie finde heraus, ob mir ein Kleidungsstück steht?

Ein leidiges Thema. Ein Kunde entdeckt online ein Kleidungsstück und möchte es am liebsten sofort ausprobieren, um eine Kaufentscheidung treffen zu können. Nur, wie kann der Kunde herausfinden, wie das Kleidungsstück an ihm wirkt? Der Modekonzern GUCCI hat sich für seine Schuhkollektion ACE-Sneaker etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Die GUCCi-App hat eine integrierte AR-Funktion, mit deren Hilfe Kunden prüfen können, wie verschiedene Stile der Schuhkollektion an ihren Füssen wirken. Hierzu muss er nur die Funktion starten und die Smartphone-Kamera auf seine Füsse richten. Indem der Nutzer seine Füsse bewegt, kann er die Schuhmodelle aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Durch die Integration der Funktion in Snapchat kann zusätzlich eine digital affine Zielgruppe erreicht werden. 

AR hilft bei der Suche nach der richtigen Grösse

Jeder Online-Versandhändler ist erfreut, wenn er seine Retourenquote senken kann. AR kann hierbei einen wichtigen Beitrag leisten. Wie, das zeigt der Sportartikelhersteller Nike, dessen AR-Funktion die Füsse des Nutzers vermisst und ihm die richtige Schuhgrösse vorschlägt. Die korrekte Grösse zu finden ist nicht nur bei Kleidung ein wichtiges Thema, sondern auch bei der Versendung eines Pakets. Der Logistik-Riese DHL hat das erkannt und bietet innerhalb seiner Packset-App eine entsprechende AR-Funktion an. Damit lässt sich die richtige Paketgrösse für das gewünschte Transportgut ermitteln. Im Anschluss kann der Kunde die Versandmarke direkt buchen, um danach die Bestellung in einer Postfiliale abzuschliessen.

AR-Couponing als Marketing-Gag

Der Burger-Konzern Burger King startete letztes Jahr in Brasilien eine Marketingkampagne mittels AR. Kunden konnten per App die Konkurrenz – gemeint war der Rivale McDonalds – virtuell abfackeln. Hierzu musste er nur seine Frontkamera auf ein Logo des Wettbewerbers richten, und schon ging es „virtuell“ in Flammen auf. Als Belohnung gab es einen Gutschein-Code, den der Kunde in einer Burger-King-Filiale seiner Wahl in einen kostenlosen Whopper-Burger eintauschen konnte. Der Anlass der Kampagne war eher friedlicher Natur. Es ging darum, eine neue Bezahlmethode per Smartphone von Burger King lokal bekannt zu machen.

Augmented Reality für Try-Ons

Was für die GUCCI-Schuhkollektion taugt, nützt auch anderen Marken. Hier ist das weite Feld von Try-Ons gemeint, das nicht nur Bekleidungsartikel umfasst, sondern auch Kosmetika. Nutzerinnen, die einen neuen Stil ausprobieren möchten, sind geradezu dankbar für diese Möglichkeit. Ob eine neue Haarfarbe oder Make-up – wenn Nutzerinnen die Möglichkeit haben, es zuvor virtuell zu testen, sind sie zusätzlich motiviert. Der Kosmetikkonzern L’Oreal setzt konsequent auf solche virtuellen Try-Ons um die Markenbindung zu steigern und neue Kaufanreize zu schaffen. Hierzu hat sich der französische Kosmetikriese 2018 den KI-Spezialisten ModiFace ins Boot geholt.

Google-Suchergebnisse mit AR-Features

Google ist natürlich mit von der Partie, wenn es um den Einsatz neuer digitaler Features geht. Seit 2019 arbeitet man bei dem Suchmaschinengiganten intensiv an der Umsetzung von AR auf den Suchergebnisseiten (SERPs). Erste Use Cases für Mobile Marketing wurden bereits vorgestellt. Smartphone-Nutzer können beispielsweise bei der Suche nach dem „XT6“ von Cadillac sich das SUV-Modell in 3D von allen Seiten ansehen. Nicht vor irgendeinem Hintergrund, sondern direkt vor der eigenen Garageneinfahrt. Hersteller, die das Feature nutzen möchten, müssen 3D-Modelle ihrer Produkte hochladen und ein entsprechendes Code-Snippet hinzufügen. Doch Achtung: AR bringt keinen Vorteil bei der Positionierung in den Suchergebnissen. Diese erfolgt wie gewohnt über den Google-Algorithmus und hängt von der Qualität und Einzigartigkeit der Inhalte ab.

Reiselust per AR wecken

In Anbetracht der weltweit wütenden Corona-Pandemie dürfte die Lust aufs Reisen derzeit eher gedämpft sein. Dennoch ist Reisen ein idealer Use Case für AR-Features. Auch Lufthansa hatte dies erkannt und (vor der Pandemie) sich der AR-Funktion in der App Shazam bedient. Für sein virtuelles Reiseerlebnis muss der Nutzer keine zusätzliche App herunterladen, sondern braucht nur auf eine Ad in der App zu klicken. Alsdann kann er ein virtuelles Tor durchschreiten und gelangt auf eine virtuelle Aussichtsplattform inmitten eines beliebten Reiseziels. Egal ob New York oder Rom – der Nutzer kann von seiner Aussichtsplattform das Reiseziel im 360-Grad-Blickwinkel geniessen.

Fotoretusche über AR-Filter

Digitalfotos zu retuschieren, ist im Social-Media-Marketing weit verbreitet. Wie sonst könnten sich Influencer*innen selbst und ihre favorisierten Produkte mit derart geringem Zeitaufwand einem Millionenpublikum professionell präsentieren. AR-Filter spielen bei der Fotoretusche im Mobile Marketing eine zentrale Rolle, denn sie ermöglichen es dem Nutzer, Menschen und Dinge visuell hervorzuheben. Und zwar ganz ohne professionelle Bildbearbeitungstools wie Photoshop. Bei Snapchat und Facebook gelingt das ganz einfach, weil hier AR-Filter integriert wurden, die eine schnelle Bearbeitung des digitalen Fotomaterials ermöglichen. Damit lassen sich im Handumdrehen überraschende Effekte zaubern und Selfies und Produkte noch professioneller präsentieren. Mit Spark AR kann der Nutzer nach Lust und Laune eigene AR-Filter entwickeln.

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Markeninhalte per AR-Filter erstellen

Benutzerdefinierte AR-Filter eignen sich nicht nur, um Fotos zu retuschieren, sondern auch um Markeninhalte zu erstellen. Wie das funktioniert, zeigt Instagram, das kürzlich mit Spark AR eine Partnerschaft geschlossen hat. Nutzer können so ab sofort eigene Markeninhalte mit Filtern erstellen. Durch Filter lassen sich Bilder oder Wörter in die Kamerasicht einblenden und Aufmerksamkeit für eine Marke erzeugen. Und das Beste: Instagram-Nutzer*innen können die Filter, die andere erstellt haben, für ihre eigenen Produktionen verwenden. Da der Name bei der Verwendung des Filters links oben im Bild erscheint, profitiert der Ersteller des Filters automatisch von viralen Effekten.

Story-Filter von Prada

Eine ganz andere Art von AR-Filtern hat der Modekonzern Prada für seine Fans entwickelt. Es handelt sich dabei um einen Stories-Filter, der aus Buchstaben der Marke „Prada“ ein Akronym erstellt. Auf einem weissen Schild werden zahlreiche Akronym-Sätze gezeigt. Irgendwann stoppt der Vorgang und zeigt zufällige Wörter aus der Video-Story. Das ist besonders spannend, weil der Filternutzer vorher nicht weiss, was das Schild jeweils anzeigen wird. Mit dem AR-Feature für Mobile Marketing Kampagnen lässt sich jede Video-Story noch interessanter gestalten und aus dem Einheitsbrei durch Augmented Reality hervorheben.

Fazit

Digitale Technologien stellen das Marketing vor ständig neue Herausforderungen. Dies betrifft vor allem das Mobile Marketing, denn Smartphones und andere Mobilgeräte spielen bei der Verbreitung von Markenbotschaften inzwischen eine Schlüsselrolle. Mittels AR gelingt Herstellern, die Realitätswahrnehmung von Kund*innen virtuell zu erweitern, ohne, dass dabei deren Bezug zur realen Welt verloren geht. Anders als bei der Virtuellen Realität von Videospielen bleibt der reale Mensch bei AR stets im Mittelpunkt. Er wird nicht von einer Fantasy-Umgebung vereinnahmt. Als Methode zur Erhöhung der Reichweite im Mobile Marketing ist AR daher die allererste Wahl.