Influencer Marketing Agentur Schweiz

Die Influencer Recherche

Tools und Datenbanken für die Influencer Recherche

Autor: Egzon Cekaj
Datum: 28.09.2020
Lesezeit: ca. 7 Minuten

Auf der Suche nach dem für die eigene Kampagne passenden Influencer sind einige Dinge zu beachten. An erster Stelle steht die Analyse des eigenen Marktes, um herauszufinden, wer die wichtigsten Personen, Influencer oder Meinungsführer in der Szene sind.

Marktanalyse

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Eine Möglichkeit ist hierbei die Suche in der Customer Journey, bei der u. a. bei Google, YouTube oder anderen Plattformen die eigenen Produkte recherchiert werden. Es geht hierbei darum, Lösungen für Probleme zu finden, die bei anderen aufgetreten sind. So kann unter anderem herausgefunden werden, was Kunden wichtig ist. An dieser Stelle könnte ein beauftragter Influencer einsteigen und seinen Followern Rede und Antwort stehen. Auf diese Weise ist es möglich herauszufinden, was im eigenen Themenfeld passiert.

Eine weitere Möglichkeit, um herauszufinden, wie es um den eigenen Markt steht, ist die des Abonnierens von Hashtags. Dadurch kann schnell festgestellt werden, wer sich zu welchen Themen äussert. Das Abonnieren von Hashtags ist jedoch plattformunabhängig und es kann parallel ausfindig gemacht werden, was die Konkurrenz treibt.

Während einer Medienanalyse können auch weitere Medien eingesetzt werden, um Meinungsführer zu einem bestimmten Thema zu identifizieren. Ob im Fachmagazin, in Podcasts oder im TV, der Vielfalt sind keine Grenzen gesetzt. Bei einer solchen Analyse ist es möglich, Influencer für bestimmte Nischenthemen ausfindig zu machen. Auch RSS Feed oder Google Alert können helfen, indem sie darüber informieren, wenn jemand etwas zum eigenen Thema veröffentlicht.

Zur Influencer Recherche zählt zudem das Sichten von Accounts. Bereits identifizierte Influencer-Accounts sollten zuerst gesichtet und sortiert werden, bevor weitere Tools zur Detailprüfung zum Einsatz kommen.

Im nächsten Schritt kommt es zu den Filterfragen. Wie sieht das Profil aus? In welcher Sprache sind die Texte verfasst? Sind Brand-Kooperationen zu sehen? Ist Werbung ausreichend gekennzeichnet? Wie viele Follower hat der Account? Ist auch privater Content zu sehen? Wer sind die Follower? Welche Posts werden geliked und wie kommentieren die Follower? Zudem ist ebenso wichtig, dass der Influencer zur eigenen Kampagne passt und u. a. die Häufigkeit von Werbung für bezahlte Partnerschaften oder die Positionierung zur Konkurrenz unter die Lupe genommen wird.

Tools und Datenbanken – von unserer Influencer Marketing Agentur empfohlen

Im weiteren Schritt steht die Installation einer Datenbank an, um die eigenen Rechercheergebnisse zu speichern. Dies vereinfacht die Arbeit auch im Hinblick auf zukünftige, aber auch bereits vergangene Kampagnen und bei der Pflege von Kontakten. Diverse Tools und Datenbanken stehen für die Analyse von Influencer-Accounts zur Verfügung. Diese liefern Kennzahlen wie die Engagement Rate, Wachstumsrate, Qualität der Follower. Nur so kann die Bewertung der Qualität eines Influencers sinnvoll stattfinden.

Likeometer

Eines dieser Tools ist Likeometer. Filter wie das Land und die Anzahl der Follower helfen dabei, ausgewählte Influencer anzuzeigen. In weiteren Schritten kann immer spezifischer gesucht werden. Die angezeigten Ergebnisse werden automatisch aktualisiert und zeigen die Engagement-Rate, Prognosen und die Uhrzeiten an, in denen die Posts am besten ankommen. Zudem zeigt das Tool die Entwicklung der Followerzaheln an und verfügt über die Möglichkeit weitere Brand Accounts zu prüfen. Dabei kann erfahren werden, was bei diesen gut ankommt und was nicht. Darüber hinaus können Likeometer-Nutzer auf Hashtag-Trends zugreifen und ähnliche Hashtags anschauen. Statistiken zu TikTok soll es ebenso bald mittels Likeometer geben.

Socialblade

Ein weiteres Tool ist Socialblade. Es versorgt Nutzer ebenfalls wie Likeometer mit Statistiken und ist zudem kostenfrei. Darüber hinaus kann Socialblade für YouTube, Twitch, Facebook, Instagram, Twitter, Dailymotion und Mixer verwendet werden. Mit Hilfe des Tools werden Accounts in Charts sortiert, wodurch eine weitere Recherche erleichtert wird. Darüber hinaus macht das Tool die Entwicklung einzelner Accounts über einen längeren Zeitraum sichtbar. Insbesondere für die Plattform YouTube ist eine detaillierte Account-Auswahl möglich. Es gibt die Option, bis zu drei Influencer auf Twitter, Twitch und YouTube miteinander zu verglichen.

InfluencerDB

InfluencerDB ist ein kostenpflichtiges Tool und bietet einen grösseren Funktions- und Analyseumfang als kostenfreie Tools. Mit Recherchemöglichkeiten für Accounts ab 15.000 Followern können Daten wie die Followerzahl, das Wachstum und die Like Follower Ration ermittelt werden. Kleinere Accounts können nach manuellem Hinzufügen zur Datenbank ebenfalls unter die Lupe genommen werden. Darüber hinaus gibt das Tool unter anderem Auskunft, woher die Follower geografisch gesehen kommen und ob sie männlich oder weiblich sind. Dadurch kann ein detailliertes Bild der Community entstehen und festgestellt werden, wen der Influencer erreicht. Eine weitere Möglichkeit des Tools ist die Ausweisung des Media Values per Post. Diese Funktion stellt die Höhe der Investition dar, die es benötigt um eine vergleichbare Reichweite und ein vergleichbares Engagement zu erzielen

Recherchetools und Automatisierungen

Die Nutzung von Plattformen wie Collabary ist eine weitere Möglichkeit, den richtigen Influencer für die Kampagne auszuwählen. Dabei können Nutzer viel Zeit- und Arbeitsaufwand sparen. Dadurch ist es möglich, ohne eine Influencer Marketing Agentur selbständig eine Kampagne zu planen und zu realisieren. Die Filteroptionen helfen dabei die Auswahl einzugrenzen und den passenden Influencer zu finden. Dies bedeutet grosse Arbeitsersparnis. Zudem ermittelt eine solche Plattform die Preisempfehlung für einen Influencer, die für eine Angebotserstellung sinnvoll sein kann. Collabary ist gut für Product Placements einsetzbar, Nutzer können diese wiederum für Branding- und Sales-Ziele nutzen.

Im ersten Schritt sind die wichtigsten Daten der Kampagne einzutragen und die Brand, Werte und Ziele zu beschreiben. Hinzu kommen Dos und Don’ts sowie bei Bedarf weiteres Informationsmaterial. Der Influencer erhält diese Daten in Verbindung mit einem Angebot. So kann er sich ein Bild machen und die Daten später auch in den Posts verwenden. Aus diesem Grund ist es von Vorteil, wenn jeder möglichst detailgetreu und sorgfältig arbeitet.

Im zweiten Schritt werden bereits passende Influencer angezeigt, wobei hier durch zusätzliche Filter weiter spezifiziert werden kann. Jeder Nutzer kann nach Anforderungen wie das Alter, das Land bzw. die Stadt und die Interessen suchen.

Schritt drei befasst sich mit der Audience-Abgrenzung. Dies bedeutet, dass beispielsweise der Geschlechter-Mix, das Alter und die Interessen eingegrenzt werden. Es ist allerdings zu beachten, dass weniger Ergebnisse angezeigt werden, je mehr die Suche spezifiziert wird.

Nach dem Filtern ist die Angebotserstellung an der Reihe. Bestandteil des Angebots sollten zum einen der Preis und zum anderen die rechtlichen Regelungen, Deadlines, Freigaberegelungen und die gewünschten Formate sein. Das Tool verfügt über Funktionen, die die gesamte Kommunikation und der Freigabeprozess abwickeln.

Wie jedes Tool und jede Plattform hat auch Collabary Vor- und Nachteile. Jeder Nutzer sollte diese vor der Nutzung beachten.

Vorteile:

Collabry minimiert den Aufwand für die Recherche deutlich und generiert somit ein Zeitersparnis.

Die Plattform ist vor allem für kleinere Influencer Marketing Agenturen oder Neulinge praktisch. Sie minimiert die Gefahr minimiert, dass wichtige Punkte in der Planung vergessen gehen. Zudem gibt es verifizierte Partner und ein transparentes Pricing.

Bei Collabary werden die Recherche, Buchung, Kommunikation, Dokumentation und Abrechnung auf einer Plattform zusammengefasst.

Darüber hinaus existiert ein grosser Pool an verifizierten Influencern in verschiedenen Sparten.

Nachteile:

Derartige Plattformen sind zumeist kostenpflichtig. Für eine Collabary-Lizenz wird beispielsweise ein monatlicher Betrag in Höhe von 399,00 € also umgerechnet CHF 430.- fällig.

Es besteht keine Exklusivität bei den ausgewählten Partnern.

Interview mit Carina Kockelke, Head of Marketing bei F1-Generation

Carina Kockelke weiss aus eigener Erfahrung, wie es ist, eine Influencer-Kampagne mittels Tools durchzuführen. Um einst Still-BHs eines kanadischen Herstellers bekannter zu machen, hat sie sich auf Collabary bedient.

Sie berichtet, dass der Still-BH eine spitze Zielgruppe hat, die wiederum die Produkte nur für eine relativ kurze Zeit in Anspruch nimmt. Dies bedeutet, dass das Unternehmen ständig neue Influencerinnen suchen muss, die die BHs testen und Bilder posten. Dadurch sind langfristige Kooperationen in diesem Nischenbereich nicht möglich. Auch die Zielgruppe ist aufgrund des Alters und Themas sehr eingeschränkt. Das Ziel der Kampagne ist vor allem Brand Awareness, wobei die Influencerinnen grundsätzlich mehr als eine Plattform bedienen. Die gesetzten Vorgaben dürfen bei einem Nischenthema dieser Art jedoch nicht zu eng sein. Werdende und stillende Mütter haben andere Dinge im Kopf, als einen Post zu machen. Im Vorwege wird daher festgelegt, inwieweit das Produkt zu sehen sein soll, und die Influencerinnen können selbständig und kreativ agieren. Ausserdem ist eine Kommunikation ausserhalb von Collabary erforderlich, um offene Fragen über die Produkte zu klären.

Tools wie Collabary sind für Carina Kockelke besonders hilfreich, wenn das Team nicht sehr gross ist. Die ständige Suche nach passenden Influencerinnen, insbesondere zu einem solchen Nischenthema, ist sehr aufwändig und ohne Unterstützung kaum zu bewerkstelligen. Collabary ermöglicht es, viel Zeit und Ressourcen zu sparen und sogar nach Stichworten, Engagement und Bildstilen zu suchen. Sie stellt jedoch auch fest, dass Collabary beispielsweise nicht herausfinden kann, ob Influencerinnen tatsächlich schwanger oder junge Mütter sind. Zudem kann es nichts darüber mitteilen, ob das Thema Stillen für die Influencerinnen von Bedeutung ist. Die Unternehmen müssen die Accounts weiterhin genau unter die Lupe nehmen. Nichtsdestotrotz nimmt das Tool eine Menge Recherchearbeit ab.

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Pricing: Statement von Dr. Stefano Balestra, Managing Director bei Collabary by Zalando

Bereits seit einigen Jahren hat sich das Influencer Marketing zu einem professionellen Marktbereich entwickelt. Bisher wurde pro Blogbeitrag und Post gezahlt. Dann richtete sich das Pricing nach der Reichweite und der Engagement Rate. Auch heute spielen diese Faktoren eine Rolle bei der Bewertung des Pricing. Mittlerweile ist zudem die Frage „Wen erreicht der Influencer?“ von Bedeutung. Denn die Zusammensetzung der Audience ist für die Marketer enorm wichtig, um ein Produkt effektiv und effizient bewerben lassen zu können. Es soll schliesslich niemand für eine Audience bezahlen, die das Produkt überhaupt nicht interessiert. Es geht also schlicht und einfach um die Performance von Influencern.

Zukünftig wird es verschiedene Modelle für die Bezahlung von Influencern geben.

Basis-Preis + Bonus

Bei diesem Modell erhält der Influencer für das Posting einen Grundbetrag. Influencer können zusätzliche Bonuszahlungen erhalten, indem sie etwa Sales-Ziele erreichen. Dieses Modell hat den Vorteil, dass es die Motivation der Influencer zusätzlich steigert, da die Kooperation durch die zusätzlichen Zahlungen lukrativer wird. Bei aktionsbasierter Abrechnung, gibt es keine Probleme mehr mit Fake-Followern.

Der Grundbetrag wird sich zukünftig im Vergleich zu heute wahrscheinlich nach unten verändern, wenn sich die Umsatzbeteiligungen aufgrund der Performance entsprechend erhöhen.

Affiliate Models für bestehenden Content

Bei diesem Modell geht es um das Versehen von bereits bestehendem Content mit Affiliate-Links, wobei die Influencer eine Affiliate-Provision als Vergütung erhalten. Es handelt sich demnach um die Ursprungsform des Influencer Marketings. Ausschliesslich Influencer mit gutem Content erhalten Affiliate-Links. Schlechter Content bleibt unbeachtet. Aufgrund der hohen Content-Rotation bei Instagram würde dieses Modell allerdings einen erhöhten Aufwand bedeuten. Pinterest oder auch YouTube sind in dieser Beziehung deutlich einfacher zu handhaben.

Unabhängig von den beiden zuvor dargestellten Modellen darf man im Influencer Marketing Eines nicht vergessen: Eine Kampagne kann nur dann erfolgreich sein, wenn der Influencer authentisch rüberkommt und mit Begeisterung bei der Sache ist. Das gesamte Marketing ist abhängig von vielen weichen Faktoren, der Beziehung zwischen der Brand und dem Influencer sowie der Qualität der Audience. Welche Modelle sich jedoch auf lange Sicht durchsetzen werden, steht in den Sternen.